Statement

Beim Kongress der Internationalen Keramikakademie 2016 in Barcelona wurde eine interessante Frage gestellt: ist Keramik ein prämodernes oder ein postmodernes Material? Betrachtet man die Eigenschaften von Keramik, fällt auf, dass Ton kostengünstig ist, es auf der ganzen Welt lokale Vorkommen gibt, Ton nahezu unbegrenzt formbar, sowie umweltfreundlich zu recyceln ist. Keramik erfüllt perfekt die Bedingungen, die heute an Nachhaltigkeit gestellt werden. Architekten suchen immer mehr diese Eigenschaften und die ästhetischen Qualitäten von Keramik für zukunftsweisendes Bauen und Gestalten; die Oper in Sydney ist z. B. komplett mit speziell dafür gefertigten Keramikfliesen verkleidet.

Lokale und rohe Materialien zu verwenden hat mich seit meinen keramischen Anfängen in den USA interessiert. Auch ist Ton das Material, das besonders dafür geeignet ist, Eindrücke und Abdrücke aufzunehmen und diese durch den Brand zu konservieren. In Glen Echo/Washington DC, wo ich studierte, wurde die japanische Keramiktradition sehr geschätzt, die geprägt ist von einer starken Empfindung für Materialität und die Sichtbarkeit des Herstellungsprozesses. Das Unperfekte und Zufällige wird als vollkommen und als ästhetische Qualität erlebt; die Natur und ihre Prozesse sind unergründbare Ressourcen dafür.

Meine Keramiken sind aufgebaut und nicht auf der Scheibe gefertigt, sie sind nicht komplett symmetrisch sondern suchen sich ihr Gleichgewicht bei der Entstehung selbst. Die Gefäße, ob geöffnet oder geschlossen, wirken kraftvoll. Ihre Oberflächen sind meist matt und rau. Sie sind bemalt oder man sieht auf ihren Oberflächen, wie auch auf den kleinformatigen Wandbildern, Reliefspuren, Absätze und Bänder. Die Farbmaterialien stammen vorwiegend aus der Region, aus Süddeutschland und den angrenzenden Ländern. Dies macht das besondere Farbspektrum und die Einmaligkeit jeder Arbeit aus.

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